Tschaikowskys frühe Sinfonien

Bereits zu Lebzeiten konnte Tschaikowsky internationale Erfolge zeigen. Und doch blieb er zeitlebens selbstkritisch. Als der Komponist bei der Uraufführung seiner 3. Sinfonie 1876 vom begeisterten Publikum drei Mal herausgerufen wurde, bemerkte er indes bescheiden: «Wie mir scheint, enthält die Symphonie keine besonders erfolgreichen Ideen, aber technisch ist sie ein Schritt vorwärts».

... bekennt Tschaikowsky im Oktober 1883 gegenüber dem Cellisten Konstantin Karlowitsch Albrecht bezüglich seiner Sinfonie Nr. 1 «Winterträume».
Urteil des russischen Musikprofessors und -kritikers Hermann Awgustowitsch Laroche (1845–1904) über Tschaikowskys Sinfonie Nr. 3

Weitaus enthusiastischer zeigte sich der Freund und Musikkritiker Hermann Laroche nach der St. Petersburger Aufführung: «Herr Tschaikowsky schreitet unablässig voran. In seiner neuen Symphonie hat die Kunst der Form und der kontrapunktischen Entwicklung ein so hohes Niveau wie in keinem seiner früheren Werke erreicht.»

Seine erste Sinfonie «Winterträume» bezeichnete Tschaikowksy gar als «Sünde seiner holden Jugendzeit» Tatsächlich ist es aber gerade diese jugendliche Unbekümmertheit, die unseren Music Director Paavo Järvi besonders einnimmt:

«Ich schätze die frühen Werke sehr, ganz besonders die Erste Sinfoniev«Winterträume». Sie hat eine Jugendfrische, die bei Tschaikowsky dann schnell verloren ging: Tschaikowskys spätere Werke sind dann viel komplexer, brillantvorchestriert. Die Erste ist eines meiner liebsten Werke von Tschaikowsky, geradevweil ihre Poesie so jugendlich, einfach und ehrlich wirkt. Ich würde mich aber nieauf ein einziges Lieblingsstück festlegen wollen, denn ich zähle eigentlich allesvon Tschaikowsky zu meinen Lieblingswerken. Paavo JärviWenn man die frühen Sinfonien hört, die sehr innig, leichtfliessend und auch, sowürde ich sagen, etwas naiv sind, und sie mit den späteren Werken vergleicht,stellt man fest, dass von Sinfonie zu Sinfonie die Musik runder wirkt und immervauch ein bisschen an Brahms erinnert.»


Erfahren Sie mehr zu Paavo Järvis ganz persönlicher Beziehung zur Musik Tschaikowksys, mit der aufgewachsen ist im Sonderheft zum Tschaikowsky-Zyklus.


Tschaikowsky und die Welt


1868

Tschaikowsky
Nach seiner Ankunft in Moskau stellt er seine Erste Sinfonie fertig und legt sie seinen Petersburger Professoren zur Begutachtung vor; am 03. Februar 1868 wird sie – wie auch die Zweite, Dritte und Vierte – in Moskau unter Nikolai Rubinstein uraufgeführt. Trotz des Erfolges überarbeitet Tschaikowsky sie 1874 zu einer zweiten Fassung.

Musik
Die Tonhalle-Gesellschaft Zürich wird gegründet.

Literatur
Lew Tolstois «Krieg und Frieden» erscheint 1868/69.

1875

Tschaikowsky
Am 25. Oktober 1875 bringt Hans von Bülow Tschaikowskys ihm gewidmetes Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll op. 23 in Boston zur Uraufführung. 07. November Uraufführung der Dritten Sinfonie in Moskau.

Technik
Hans von Bülows Telegramm an Tschaikowsky, in dem er 1875 über die Uraufführung des Ersten Klavierkonzertsberichtet, soll das erste von Boston nach Moskau geschickte Telegramm gewesen sein.

Mehr zum Weltgeschehen rund um Tschaikowksy finden Sie im Sonderheft zum Tschaikowsky-Zyklus.

veröffentlicht: 14.02.2020